Romanistik

 

Der Lehr- und Forschungsbereich Romanistik stellt sich vor

Das Institut für Romanische Philologie besteht seit Gründung der Philosophischen Fakultät an der RWTH Aachen im Jahre 1965. Zum ersten Direktor und Inhaber des Lehrstuhls für Literaturwissenschaft wurde 1966 Prof. Dr. P. M. Schon, gest. 1985, berufen, im Jahre 1970 als weiterer Direktor und Inhaber des Lehrstuhls für Sprachwissenschaft Prof. Dr. H.-W. Klein, gest. 1992. Heute lehren am Institut Frau Dr.phil. Liane Ströbel (Sprachwissenschaft) als Professurvertreterin und Univ.-Prof. Dr.phil. Angelica Rieger (Interkulturelle Studien-Romanistik). Kürzlich verstarb Frau Univ.-Prof. Dr.phil. Dr. (Paris) Anne Begenat-Neuschäfer (Literaturwissenschaft), der Lehrstuhl wird gegenwärtig vertreten.

Als zweitjüngste Fakultät der RWTH Aachen, ein Jahr später wurde noch die medizinische Fakultät gegründet, wurde die Philosophische Fakultät - und damit das Institut für Romanische Philologie - ursprünglich geschaffen, um die altbekannten Fakultäten in Köln, Bonn und Münster in der Lehrerausbildung zu entlasten. Bald gelang es jedoch, durch Zugewinn neuer Stellen, Verdopplung der Professuren, Ausbau der Bibliothek, die um eine Medienabteilung erweitert wurde, die Studienbedingungen und -möglichkeiten zu verbessern und zu erweitern.

Bis 2004 bot das Institut nicht nur mehrere grundständige Studiengänge an, sondern war darüber hinaus mit den vier romanischen Hauptsprachen und -literaturen, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, zur Voll-Romanistik ausgebaut. Auf vielfache Weise war das Institut mit Lehrangeboten in anderen Fakultäten und Fächern der Hochschule präsent.

Wie anderenorts auch folgte auf die Phase des Auf- und Ausbaus die der Sparmaßnahmen und Kürzungen. Seit 1982, als die Gesamtschließung der Philosophischen Fakultät abgewendet werden konnte, bemühte sich das Institut für Romanische Philologie um weitergehende Vernetzung in die Hochschule. Der Erfolg ließ nicht auf sich warten: Die Aachener Romanistik gehörte zu einer der meistfrequentiertesten in NRW. 2004 wurde in Folge eines "Memorandums" das Lehrangebot auf Französisch und Spanisch eingeschränkt, ab 2008 durfte - trotz guter Erfolgszahlen im Italienischen - nur noch auf Lehramt Französisch und Spanisch studiert werden, 2008 wurden Anglistik und Romanistik in ein Institut, das IFAAR, zusammengelegt. 2014 verhängte das Rektorat das endgültige Aus für 2023, obwohl 2011/2012 die interdisziplinären Bachelor- und Masterstudiengänge "Literatur- und Sprachwissenschaft" mit der Romanistik voll integriert hatten und 2012 akkreditiert worden waren.

Das Institut für Romanistik wurde im Frühjahr 2014 von den Schließungsabsichten durch die Hochschulleitung überrascht. Die unmittelbar betroffenen Professorinnen, die wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfuhren im Vorfeld von dieser Absicht nichts und erhielten keine Möglichkeit, eigene Vorstellungen vorzutragen. Von dem Beschluß des Dekanats am 25.6.2014 zur Schließung erfuhren die Betroffenen am 8.7.2014 mit der Einladung zur letzten Fachbereichsratssitzung am 16.7.2014. 2015 beging die Aachener Romanistik ihren 50. Geburtstag, sie blickt u.a. zurück auf Kontakte mit dem frankophonen Afrika verstärkt, es entstand eine intensive Kooperation mit der Université Félix Houphouët Boigny in Abidjan, aus der Forschungsvorhaben, Kolloquien, Publikationen und gemeinsame Dissertationen hervorgingen. Seit Beendigung des Bürgerkriegs wurde die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Ingenieurwissenschaften wieder aufgenommen; die Romanistik fungierte als interkultureller Mediator dieser Projekte. Parallel dazu wurde ab 2010 ein wissenschaftlicher Austausch mit Brasilien, einem der Schwerpunktländer der RWTH Aachen angebahnt, der inzwischen zu einer engen geisteswissenschaftlichen Kooperation geführt hat und nun auf die Ingenieurwissenschaften erweitert werden kann.

Lusophone und frankophone Sprach-und Kulturräume begegnen sich in Afrika; systematisch hat Aachen die vergleichende Betrachtung durch Forschungsvorhaben, Kongresse und Publikationen gefördert.