T-REX: Triggers of Reader Emotion and Experientiality

  T-REX - Ein Projekt der RWTH ART CogLit

Indem dieses Projekt die Vorteile neuer methodischer Möglichkeiten nutzt, ist es Teil einer andauernden Entwicklung in der literaturwissenschaftlichen Rezeptionstheorie: das Ersetzen von idealtypischen, hypothetischen Modelllesern und deren wahrscheinlicher Reaktion auf literarische Texte durch echte Leser aus Fleisch und Blut sowie deren beobachtbare (affektive) Reaktion auf Texte als Untersuchungsgegenstand.

Unser multidisziplinäres Team aus Spezialisten für Literaturwissenschaft und multi-modale Annotation sowie für Kognitionswissenschaft und Affective Computing kombiniert neue Ergebnisse aus der kognitiven Literaturwissenschaft mit empirischen Methoden und den drastisch verbesserten Möglichkeiten, große Mengen reichhaltiger, multimodaler Daten digital zu sammeln, zu verarbeiten und zu analysieren. So können wir eines der komplexesten Phänomene der literarischen Kommunikation beschreiben, empirisch untersuchen und automatisch vorhersagen – das Hervorrufen von experientiality und Qualia. In anderen Worten, literarische Texte können in Lesern den Eindruck hervorrufen, dass er/sie weiß oder sogar erlebt, wie es für eine literarische Figur ist, bestimmte Erfahrungen zu machen. Eine der schwierigsten Fragen, die in der kognitiven Narratologie aktuell diskutiert werden, ist nämlich wie experientiality in Lesern literarischer Texte ausgelöst wird und wie dies mit affektiven Reaktionen zusammenhängt. Unser Projekt wird substantiell zur Beantwortung dieser Frage beitragen.

Zu diesem Zweck kombinieren wir Techniken des Maschinenlernens mit literarischer Analyse, linguistischer Analyse und kognitiven (inklusive physiologischen) Daten über Leseremotionen. Wir müssen unseren qualitativ-hermeneutischen literaturwissenschaftlichen Ansatz hierzu formalisieren und operationalisieren sowie Textmodelle und Lesermodelle entwickeln. Unsere Hypothesen zu experientiality und den beobachtbaren Leserreaktionen werden dann in zwei separaten Experimenten mit Hilfe von lokaler Datenerhebung bzw. von Ferndatenerhebung überprüft. Im lokalen Experiment werden wir unter Rückgriff auf bestehende RWTH-Einrichtungen Daten über die Leseerfahrungen von Nicht-MuttersprachlerInnen unter Laborbedingungen erheben. In unserem ferngesteuerten Experiment werden wir Daten über die Leseerfahrungen von MuttersprachlerInnen erheben, inklusive emotionale Reaktionen mittels einer Vielzahl physiologischer Daten. Diese Ergebnisse werden anschließend genutzt, um eine Software zu entwickeln, die in der Lage ist, wahrscheinliche Auslöser von experientiality in literarischen Texten zu identifizieren.

Diese Studie soll – über das Erreichen der unmittelbaren Zielen hinaus – zur Öffnung der Literatur-wissenschaft gegenüber empirischen Methoden beitragen, mit Hilfe der reichen Tradition der hermeneutischen Rezeptionstheorie Impulse für das Cognitive-Affective Computing (CAC) geben und die Erhebung und Verarbeitung von reichhaltigen multimodalen Daten im CAC verbessern. Auf diese Weise leisten wir einen innovativen Beitrag zur Methodologie von sowohl Literaturtheorie als auch Informatik.

T-Rex ist eine Kooperation zwischen dem Aachen Research Team Cognitive Literary Studies (ART CogLit) und dem Lehrstuhl für Infomationsmanagement im Maschinenbau (Kybernetik-Cluster IMA/ZLW & IfU).

 

Mitarbeiter

IfAAR

PD Dr. phil. Sven Strasen, Dr. Rebekah Wegener, Aljoscha Merk, M.A., Dipl.-Gyml. Julia Vaeßen, Dipl.-Gyml. Caroline Kutsch

IMA

Prof. Dr.-Ing. Tobias Meisen, Dipl.-Inform. Christian Kohlscheid